Caroline (AT)

Dokumentarfilm (2020, in Postproduktion)

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Noch wenige Schritte, noch ein Tag, dann ist Caroline perfekt, dann ist sie an ihrem Ziel. Die Mittfünfzigerin liegt auf ihrem Klinikbett voller Hoffnung auf eine unbeschwerte Zukunft, verabschiedet sich Caroline von ihrem alten Ich und fühlt sich seit Jahrzehnten das erste Mal glücklich in ihrem Leben. Doch jenes Glück bleibt kurzweilig.
Unmittelbar nach ihrer geschlechtsangleichenden Operation erhält die Protagonistin die Nachricht des Todes ihres Vaters. Die Vergangenheit ihres alten Ichs sucht nun wieder Carolines Gegenwart heim, schleicht sich in ihre Träume und in ihre Gedanken. Bis sie droht, erneut unterzugehen. Aufgewachsen in der hessischen Provinz erlebt Caroline als Kleinkind eine traumatische Kindheit, gezeichnet von sexuellem Missbrauch durch Bekannte ihres Vaters, von der heute noch die Narben auf der Haut und Seele zeugen. Ein Martyrium erniedrigender Gewalt, welche Caroline bis heute keine guten Erinnerungen an ihre Kindheit ermöglicht. Die Mitfünfzigerin hat Sorge, wieder in eine Abwärtsspirale mit Alkohol und Drogen zu fallen, die damals schließlich in einem Selbstmordversuch mündeten und sie zu einem Umzug in ihre neue Wahlheimat bewegten.
Caroline begibt sich ein weiteres Mal in eine Traumatherapie: auf der Suche nach den guten Erinnerungen an die eigene Kindheit. Seitdem heißt es für Caroline, in wöchentlichen Therapiesitzungen die schlechten Erinnerungen und Schmerzen an die eigene Vergangenheit zu verbalisieren. Wut abzulassen, um später die Bewältigung des seelischen Schmerzes als eine Lebensaufgabe zu akzeptieren. Der Dokumentarfilm entwickelt sich damit unweigerlich zu einem Kammerspiel zwischen der Protagonistin und ihrem Therapeuten, ergänzt durch episodenhafte Interaktionen mit alten und neuen Weggefährten sowie kontrastierten Bildern aus Carolines alter Heimat und der Idylle an Weinberglandschaften der Loreley.

So dramatisch das Leben von Caroline war, ist der Film auch eine Willenserklärung von Caroline, die nie aufgegeben und immer weiter gekämpft hat. Mit ihrem Kampf wirft Caroline menschliche Grundfragen auf, die in ihrem Leben geradezu exemplarisch miteinander verwoben sind: Wer bin ich wirklich tief in meinem Innern? Wie kann ich meine Hoffnung bewahren, wenn schmerzhafte Erinnerungen die Gegenwart unerträglich sein lassen? Welche Brücken muss ich eventuell abbrechen und welche muss ich aufbauen?  Wie ist da ein Neuanfang möglich? Und wie schaffe ich es bei all dem, mich zu behaupten, wenn es in der Gesellschaft oft an Akzeptanz und Verständnis fehlt.

Buch und RegieVolker Klotzsch, Oliver Matthes
KameraJan Mammey, Volker Klotzsch
TonJohannes Doberenz, Ghiath Al Mithawi, Eddy Fuge,
Oliver Matthes
SchnittKatharina Wittmann
SchnittassistenzKaren Lemme, Johannes Ramson
DramaturgieBeatrice Babin
PartnerKulturstiftung des Freistaates Sachsen,
Werkleitz-Gesellschaft, TP2-Programm
MitwirkendeCaroline Amelie Herz