Ein Jahr nach Ende Corona-Lockdowns werden die gewaltigen Herausforderungen in unserem Bildungssystem deutlich. Schmerz, Entfremdung und Zukunftsängste bei den Schüler:innen, akuter Lehrer:innenmangel, Bulimie-Lernen, obwohl es der Lehrplan so gar nicht vorsieht. Die eigentlichen Zukunftsherausforderungen nur bedingt auf dem Schirm? Die Stimmen nehmen stark zu, die von einem Bildungsfiasko sprechen! In dem Dokumentarfilm Eigentlich könnten wir alles ändern begleiten wir Bildungsaktivist:innen, bei ihrem Kampf für ein anderes Schulsystem. Über sie will der Film der Frage nachgehen, welche Anforderungen das 21. Jahrhundert an unser jetziges Schulsystem stellt. Dafür sind sie in verschiedenen Initiativen aktiv, kooperieren mit staatlichen Initiativen oder handeln in deren Auftrag.
- Margret Rasfeld, anerkannte und medial viel zitierte Bildungsaktivistin, pensionierte Schulleiterin und Lehrerin, reist täglich quer durch Deutschland, um in Vorträgen Diskussionsrunden im Rundfunk und Fernsehen für ein Systemwechsel in der Bildungspolitik zu werben. Gemeinsam mit anderen Aktivist:innen plant sie deutschlandweit Volksbegehren zur Notenabschaffung als Anfang für das Ende des dreigliedrigen Schulsystems.
- Otto Herz, der Alt-68er, Reformpädagoge und ehemalige Gewerkschaftler steht vor seiner vielleicht persönlich größten Herausforderung: Ein Leben lang engagierte er sich für Teilhabe und Mitbestimmung in diversen gesellschaftlichen Verantwortungen. Nun beginnt sein Körper zu streiken, Otto muss und möchte Kürzer treten. Keine einfache Aufgabe für ihn, war er Doch ein Leben lang täglich und deutschlandweit unterwegs, um für seine Ideale einer gerechten Welt zu kämpfen.
- Maxi Heß, Schulleiterin einer staatlichen Versuchsschule in Dresden, plant die Schule der Zukunft. Sie arbeitet aktiv mit Eltern und Pädagog:innen an neuen Lernkonzepten, die in einigen Jahren an jeder Schule umsetzbar sein sollen.
- Die 11:Rebellinnen, ein lokales Aktionsbündnis von Schüler:innen, welches am Ende des Corona-Lockdowns zunächst anonym Protestbriefe gegen das Bulimie-Lernen an einem Leipziger Gymnasium plakatierte und später im öffentlich Raum vorlas, nun selbst ihr Abitur schreiben und sich gegenwärtig keineswegs durch die Schule auf die Zukunft vorbereitet fühlen.
Ein ganzes Schuljahr lang begleiten wir die drei Generationen, die in unterschiedlichen Zeiten aufwuchsen und sozialisiert wurden, bei Ihrem Engagement für eine bessere Bildung. Was läuft schief im Deutschen Bildungssystem? Welche Positionen stehen im Raum? Was verbindet sie in ihrem gemeinsamen Kampf? Woran und an wem scheitern die Aktivistinnen im Kampf für die Transformation des Bildungssystem? Was ist der Ausweg?
Der Film wird unweigerlich zu einem eigenen Kompendium, um zu verstehen, wie ein altes System sich den heutigen und zukünftigen Gegebenheiten anpassen kann oder eben nicht.
Das Team



Director Statement
Seit Jahren liegen die Erkenntnisse auf dem Tisch: Wir wissen, wie gute Schule aussehen könnte. Und doch erleben wir ein Bildungssystem, das tief in der Vergangenheit verwurzelt scheint – mit 45‑Minuten‑Takten, Frontalunterricht, strengen Lehrplänen und Noten, die Druck erzeugen. Während die Welt sich rasant verändert, fällt es unserer Gesellschaft schwer, Schule als Ort des Aufbruchs zu begreifen.
In Eigentlich könnten wir alles verändern begleiten wir Menschen, die sich dieser Trägheit entgegenstellen. Uns interessierte dabei nie ein Heldenporträt, sondern die Frage, wie gesellschaftlicher Wandel entsteht – und warum er so oft scheitert. Die Geschichten von Margret Rasfeld, Maxi Hess und Otto Herz erzählen von Beharrlichkeit, Zweifeln, Rückschlägen und der Sehnsucht nach Wirksamkeit. Während der Dreharbeiten wurde sichtbar, dass Veränderung immer auch eine Frage der Weitergabe ist: Was bleibt von Ideen, wenn diejenigen älter werden, die sie getragen haben?
Gleichzeitig begegneten wir Jugendlichen, deren Erfahrungen sich über Generationen hinweg ähneln: Leistungsdruck, Ohnmacht, das Gefühl, nicht gesehen zu werden. Ihre Stimmen verbinden sich mit denen von Menschen, die seit Jahrzehnten für eine andere Schule kämpfen. Uns wurde klar, dass es nicht um einen Gegensatz zwischen Alt und Jung geht, sondern um ein gemeinsames Ringen um Selbstwirksamkeit, Verantwortung und demokratische Teilhabe.
Bildung ist für uns kein Nischenthema, sondern ein gesellschaftlicher Schlüsselraum. Hier entscheidet sich, ob Menschen Vertrauen in ihre eigene Wirksamkeit entwickeln und ob sie Demokratie als etwas erleben, das sie selbst mitgestalten können. Der Titel Eigentlich könnten wir alles verändern beschreibt die Spannung, die wir während der Dreharbeiten immer wieder gespürt haben: zwischen dem Wissen, dass Veränderung möglich ist, und der Erfahrung, wie schwer sie sich verwirklichen lässt.
Der Film ist eine Einladung, über die Bedingungen von Veränderung nachzudenken – und über die Verantwortung, die jede Generation trägt.
Projektpartner
















